cp — Dateien und Verzeichnisse kopieren

Praxis-Guide zu cp: Dateien und Verzeichnisse kopieren, Attribute erhalten, Überschreiben kontrollieren und schnelle Reflink-Kopien nutzen.

cp (copy) gehört zu den grundlegendsten Unix-Kommandos: Es dupliziert Dateien und Verzeichnisse, legt Backups an und verteilt Inhalte über das Dateisystem. Im Alltag brauchst du es, um eine Konfigurationsdatei vor dem Bearbeiten zu sichern, ein Projektverzeichnis rekursiv mit -r zu kopieren oder mit -a einen exakten Klon samt Rechten, Eigentümer und Zeitstempeln zu erstellen. Ein wichtiger Stolperstein: Ohne -i überschreibt cp vorhandene Zieldateien kommentarlos – greife im Zweifel zu -i (nachfragen), -n (nie überschreiben) oder -b (Backup anlegen). Auf modernen Dateisystemen wie Btrfs oder XFS macht --reflink Kopien sogar praktisch verzögerungsfrei.

Grundlegendes Kopieren

cp <source> <destination> — Kopiert eine Datei an einen neuen Ort oder unter neuem Namen.

cp config.yml config-backup.yml

cp <file1> <file2> <directory> — Kopiert mehrere Dateien in ein Verzeichnis.

cp index.html style.css app.js /var/www/html/

cp <source> <directory>/ — Kopiert eine Datei in ein Verzeichnis und behält den Originalnamen bei.

cp report.pdf /tmp/

cp *.txt <directory> — Kopiert alle Dateien, die auf ein Glob-Muster passen, in ein Verzeichnis.

cp *.jpg /backup/photos/

Verzeichnisse kopieren

cp -r <source_dir> <destination_dir> — Kopiert ein Verzeichnis rekursiv samt allem Inhalt.

cp -r ./project/ /backup/project/

cp -R <source_dir> <destination_dir> — Synonym für -r. Kopiert Verzeichnisse rekursiv.

cp -R ./src/ /backup/src/

cp -r <source_dir>/ <destination_dir>/ — Kopiert den Inhalt eines Verzeichnisses in ein anderes Verzeichnis.

cp -r ./dist/ /var/www/html/

cp -r <dir1> <dir2> <dir3> <target_dir> — Kopiert mehrere Verzeichnisse in ein Zielverzeichnis.

cp -r ./css ./js ./images /var/www/html/

Attribute erhalten

cp -p <source> <destination> — Erhält Dateirechte, Eigentümer und Zeitstempel.

cp -p script.sh /usr/local/bin/

cp -a <source> <destination> — Archivmodus. Wie -dR --preserve=all. Erhält alles, einschließlich Symlinks.

cp -a /var/www/html/ /backup/www/

cp --preserve=mode,timestamps <source> <destination> — Erhält nur bestimmte Attribute.

cp --preserve=mode,timestamps deploy.sh /usr/local/bin/

cp --preserve=all <source> <destination> — Erhält alle Attribute: Rechte, Eigentümer, Zeitstempel, Kontext, Links, xattr.

cp --preserve=all important.conf /etc/app/

cp --no-preserve=ownership <source> <destination> — Kopiert, erhält aber ausdrücklich nicht den Eigentümer.

cp --no-preserve=ownership /root/config.yml /home/user/

Überschreiben steuern

cp -i <source> <destination> — Interaktiver Modus. Fragt nach, bevor eine vorhandene Datei überschrieben wird.

cp -i new-config.yml /etc/app/config.yml

cp -n <source> <destination> — No-Clobber. Überschreibt niemals eine vorhandene Datei.

cp -n defaults.conf /etc/app/config.conf

cp -f <source> <destination> — Erzwingen. Entfernt die Zieldatei, falls sie sich nicht öffnen lässt, und kopiert dann.

cp -f updated.bin /usr/local/bin/app

cp -u <source> <destination> — Aktualisieren. Kopiert nur, wenn die Quelle neuer als das Ziel oder das Ziel nicht vorhanden ist.

cp -u *.html /var/www/html/

cp --update=none <source> <destination> — Expliziter Aktualisierungsmodus: none (wie -n), all (Standard) oder older (wie -u).

cp --update=older ./assets/* /var/www/assets/

cp -d <source> <destination> — Kopiert symbolische Links als Links, nicht die Dateien, auf die sie zeigen.

cp -d current-release /backup/current-release

cp -L <source> <destination> — Folgt symbolischen Links immer. Kopiert die Datei, auf die der Symlink zeigt.

cp -L /etc/alternatives/editor ./editor-backup

cp -P <source> <destination> — Folgt symbolischen Links nie. Kopiert den Symlink selbst (Standard bei -r).

cp -P link.txt /backup/

cp -s <source> <destination> — Erstellt einen symbolischen Link, statt die Datei zu kopieren.

cp -s /opt/app/config.yml /etc/app/config.yml

cp -l <source> <destination> — Erstellt einen Hardlink, statt zu kopieren. Spart Speicherplatz.

cp -l large-file.iso /backup/large-file.iso

Ausgabe & Rückmeldung

cp -v <source> <destination> — Ausführlicher Modus. Gibt jede Datei aus, während sie kopiert wird.

cp -v *.conf /etc/app/

cp -rv <source_dir> <destination_dir> — Kopiert rekursiv mit ausführlicher Ausgabe. Zeigt jede kopierte Datei an.

cp -rv ./project/ /backup/project/

cp -v --backup=numbered <source> <destination> — Erstellt nummerierte Backups vorhandener Dateien und zeigt die Ausgabe an.

cp -v --backup=numbered config.yml /etc/app/config.yml

Backup-Optionen

cp -b <source> <destination> — Erstellt vor dem Überschreiben ein Backup der Zieldatei (hängt das Suffix ~ an).

cp -b new.conf /etc/app/app.conf

cp --backup=numbered <source> <destination> — Erstellt nummerierte Backups (.~1~, .~2~ usw.) statt eines einzelnen ~-Backups.

cp --backup=numbered config.yml /etc/app/config.yml

cp --backup=existing <source> <destination> — Nutzt nummerierte Backups, falls bereits welche existieren, sonst ein einfaches ~-Backup.

cp --backup=existing data.json /var/data/data.json

cp -S '<suffix>' <source> <destination> — Nutzt ein eigenes Suffix für Backup-Dateien statt des Standards ~.

cp -b -S '.bak' config.yml /etc/app/config.yml

Sparse-Dateien & Performance

cp --sparse=auto <source> <destination> — Erkennt Sparse-Dateien automatisch und erhält sie (Standardverhalten).

cp --sparse=auto disk.img /backup/

cp --sparse=always <source> <destination> — Versucht immer, Sparse-Dateien zu erzeugen. Nützlich für Festplatten- und virtuelle Images.

cp --sparse=always vm-disk.qcow2 /backup/

cp --reflink=auto <source> <destination> — Nutzt Copy-on-Write, falls das Dateisystem es unterstützt (Btrfs, XFS). Verzögerungsfreie Kopien.

cp --reflink=auto large-file.tar /backup/

cp --reflink=always <source> <destination> — Erzwingt Copy-on-Write. Schlägt fehl, wenn das Dateisystem es nicht unterstützt.

cp --reflink=always database.db /snapshot/

Zielverzeichnis & Struktur

cp -t <directory> <file1> <file2> — Gibt zuerst das Zielverzeichnis an. Nützlich mit xargs und find.

find . -name '*.log' -print0 | xargs -0 cp -t /backup/logs/

cp -T <source> <destination> — Behandelt das Ziel als normale Datei, nicht als Verzeichnis. Schlägt fehl, wenn das Ziel ein Verzeichnis ist.

cp -T config-new.yml config.yml

cp --parents <source> <destination> — Erhält die vollständige Quellpfad-Struktur unterhalb des Zielverzeichnisses.

cp --parents src/app/main.js /backup/

Häufige Muster

cp -a <source>/ <destination>/ — Spiegelt einen Verzeichnisbaum unter Erhalt aller Attribute. Ideal für lokale Backups.

cp -a /var/www/html/ /backup/www/

cp -rn <source>/ <destination>/ — Kopiert nur neue Dateien, überspringt vorhandene. Nützlich für inkrementelles Zusammenführen.

cp -rn ./new-assets/ /var/www/assets/

cp -ru <source>/ <destination>/ — Kopiert rekursiv nur neuere oder fehlende Dateien.

cp -ru ./updated-site/ /var/www/html/

cp -av <source>/ <destination>/ — Archivkopie mit ausführlicher Ausgabe. Zeigt genau, was kopiert wird.

cp -av /home/user/ /backup/user/

cp /dev/null <file> — Setzt eine Datei auf null Bytes zurück (leert sie), ohne sie zu löschen.

cp /dev/null /var/log/app.log

find <dir> -name '<pattern>' -exec cp {} <dest>/ \; — Findet Dateien nach Muster und kopiert sie in ein einzelnes Zielverzeichnis.

find ./project/ -name '*.pdf' -exec cp {} /backup/pdfs/ \;

find <dir> -name '<pattern>' -print0 | xargs -0 cp -t <dest>/ — Findet und kopiert Dateien sicher (kommt mit Leerzeichen in Dateinamen zurecht).

find ./docs/ -name '*.md' -print0 | xargs -0 cp -t /backup/docs/

Fazit

cp ist das Arbeitspferd zum Duplizieren von Dateien: Für den Alltag reichen cp <quelle> <ziel>, cp -r für Verzeichnisse und cp -a für exakte Spiegelungen mit allen Attributen. Behalte im Kopf, dass cp ohne -i vorhandene Zieldateien stillschweigend überschreibt – beim Hantieren mit wichtigen Daten lohnt sich -i, -n oder -b. Erst kopieren, dann das Original verändern ist eine gute Gewohnheit. Auf Copy-on-Write-Dateisystemen sparst du mit --reflink=auto Zeit und Platz, und für große, lokale Backups ist cp -a meist die richtige Wahl.

Verwandte Kommandos

  • mv – Dateien verschieben oder umbenennen, statt eine Kopie anzulegen
  • rm – Dateien und Verzeichnisse löschen
  • ln – Hard- und symbolische Links erstellen statt zu kopieren