WSL — Linux-Distributionen unter Windows verwalten

Praxis-Guide zu WSL: Linux-Distributionen unter Windows installieren, starten, sichern und konfigurieren – inklusive WSL 2, Netzwerk und Dateizugriff.

Mit dem Windows Subsystem for Linux (WSL) führst du vollwertige Linux-Distributionen direkt unter Windows aus – ohne Dual-Boot und ohne klassische virtuelle Maschine. WSL 2 nutzt dafür einen echten Linux-Kernel in einer schlanken, hochintegrierten VM, sodass Dateisystem, Netzwerk und Windows-Programme nahtlos zusammenspielen. Das wsl-Kommando ist deine Schaltzentrale: Es installiert Distributionen, startet und stoppt sie, sichert sie per Export und steuert Ressourcen. Dieser Guide zeigt dir die Befehle, die du im Alltag wirklich brauchst.

Installation & Einrichtung

wsl --install — Installiert WSL mit der Standard-Distribution (Ubuntu).

wsl --install

wsl --install -d <distro> — Installiert eine bestimmte Linux-Distribution.

wsl --install -d Debian

wsl --list --online — Listet die zur Installation verfügbaren Distributionen auf.

wsl --list --online

wsl --update — Aktualisiert den WSL-Kernel auf die neueste Version.

wsl --update

wsl --version — Zeigt WSL-Version, Kernel-Version und WSLg-Version.

wsl --version

wsl --set-default-version 2 — Legt WSL 2 als Standard für neue Distributionen fest.

wsl --set-default-version 2

Auflisten & Status

wsl --list — Listet die installierten Distributionen auf.

wsl --list

wsl --list --verbose — Listet Distributionen mit Zustand, WSL-Version und Standard auf.

wsl --list --verbose

wsl --list --running — Listet nur die aktuell laufenden Distributionen auf.

wsl --list --running

wsl --status — Zeigt die WSL-Konfiguration und die Standard-Distribution.

wsl --status

Starten, Stoppen & Ausführen

wsl — Startet die Standard-Distribution.

wsl

wsl -d <distro> — Startet eine bestimmte Distribution.

wsl -d Debian

wsl -u <user> — Startet als ein bestimmter Benutzer.

wsl -u root

wsl -e <command> — Führt einen Befehl in der Standard-Distribution aus.

wsl -e ls -la /home

wsl -d <distro> -e <command> — Führt einen Befehl in einer bestimmten Distribution aus.

wsl -d Ubuntu -e cat /etc/os-release

wsl --shutdown — Fährt alle laufenden Distributionen und die WSL-VM herunter.

wsl --shutdown

wsl --terminate <distro> — Beendet eine bestimmte Distribution.

wsl --terminate Ubuntu

Distributionen verwalten

wsl --set-default <distro> — Legt die Standard-Distribution fest.

wsl --set-default Debian

wsl --set-version <distro> 2 — Konvertiert eine Distribution zu WSL 2 (oder 1).

wsl --set-version Ubuntu 2

wsl --unregister <distro>Destruktiv: Hebt die Registrierung einer Distribution auf und löscht sie samt allen Daten unwiderruflich.

wsl --unregister Ubuntu

Importieren & Exportieren

wsl --export <distro> <file> — Exportiert eine Distribution als .tar-Archiv.

wsl --export Ubuntu ubuntu-backup.tar

wsl --export <distro> <file> --vhd — Exportiert als virtuelle .vhdx-Festplatte.

wsl --export Ubuntu ubuntu-backup.vhdx --vhd

wsl --import <name> <path> <file> — Importiert eine Distribution aus einem .tar-Archiv.

wsl --import MyUbuntu C:\WSL\MyUbuntu ubuntu-backup.tar

wsl --import <name> <path> <file> --vhd — Importiert aus einer virtuellen .vhdx-Festplatte.

wsl --import MyUbuntu C:\WSL\MyUbuntu ubuntu-backup.vhdx --vhd

wsl --import-in-place <name> <file> — Registriert eine vorhandene .vhdx als Distribution.

wsl --import-in-place MyDistro C:\WSL\ext4.vhdx

Konfigurationsdateien

/etc/wsl.conf — Einstellungen pro Distribution (Automount, Netzwerk, Benutzer, Boot).

[user]
default=myuser

[boot]
systemd=true

%USERPROFILE%\.wslconfig — Globale WSL-2-Einstellungen (Arbeitsspeicher, CPU, Swap, Netzwerk).

[wsl2]
memory=8GB
processors=4
swap=4GB

[boot] systemd=true — Aktiviert systemd in der wsl.conf (WSL 2, Windows 11).

echo -e '[boot]\nsystemd=true' | sudo tee /etc/wsl.conf

[automount] options = "metadata" — Aktiviert Linux-Dateirechte auf Windows-Laufwerken.

[automount]
options = "metadata,uid=1000,gid=1000,umask=022"

[network] generateResolvConf = false — Verwendet eigenes DNS statt der automatisch erzeugten resolv.conf.

[network]
generateResolvConf = false

Dateisystem & Interop

/mnt/c/ — Greift aus WSL auf das Windows-Laufwerk C: zu.

ls /mnt/c/Users/

\\wsl$\<distro>\ — Greift aus dem Windows-Explorer auf das WSL-Dateisystem zu.

explorer.exe \\wsl$\Ubuntu\home\user

wslpath '<windows-path>' — Konvertiert einen Windows-Pfad in einen WSL-Pfad.

wslpath 'C:\Users\me\Documents'

wslpath -w '<linux-path>' — Konvertiert einen WSL-Pfad in einen Windows-Pfad.

wslpath -w /home/user/project

explorer.exe . — Öffnet das aktuelle WSL-Verzeichnis im Windows-Explorer.

explorer.exe .

cmd.exe /c <command> — Führt einen Windows-Befehl aus WSL heraus aus.

cmd.exe /c 'echo %COMPUTERNAME%'

powershell.exe -c '<command>' — Führt einen PowerShell-Befehl aus WSL heraus aus.

powershell.exe -c 'Get-Process | Select -First 5'

Netzwerk & Datenträger

wsl hostname -I — Zeigt die IP-Adresse von WSL.

wsl hostname -I

wsl --mount <disk> --bare — Hängt eine physische Festplatte an WSL 2 an.

wsl --mount \\.\PHYSICALDRIVE1 --bare

wsl --mount <disk> --partition <n> --type ext4 — Bindet eine bestimmte Partition mit einem Dateisystemtyp ein.

wsl --mount \\.\PHYSICALDRIVE1 --partition 1 --type ext4

wsl --unmount <disk> — Trennt eine eingebundene Festplatte von WSL.

wsl --unmount \\.\PHYSICALDRIVE1

Fazit

WSL macht Linux unter Windows alltagstauglich: Mit wenigen wsl-Befehlen installierst, startest und sicherst du Distributionen, während WSL 2 dank echtem Kernel und schlanker VM nahezu native Performance liefert. Für den Alltag genügen meist wsl --install, wsl -l -v, wsl -d <distro> und wsl --shutdown. Mit Vorsicht zu genießen ist dagegen wsl --unregister <distro>: Es löscht die Distribution samt allen Daten unwiderruflich – sichere sie vorher mit wsl --export und transportiere sie bei Bedarf per wsl --import auf einen anderen Rechner. Feinheiten wie Speicherlimits, systemd oder DNS steuerst du zentral über .wslconfig und wsl.conf.

Verwandte Kommandos

  • wslg – Linux-GUI-Apps unter WSL 2 per WSLg ausführen
  • powershell – die Windows-Shell, die WSL ansteuert und mit ihr interagiert
  • bash – die Standard-Shell in den meisten WSL-Distributionen