Info Tools — Tipps & Tricks
Strategie und Stolperfallen für Info Tools: Server- vs. Client-Daten, Client Hints vs. User-Agent, Protokoll richtig lesen, Fingerprinting verstehen.
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Info Tools ist schnell gelesen — aber die Werte richtig einzuordnen, will gelernt sein. Diese Seite sammelt, worauf es in der Praxis ankommt. Die Bedeutung der einzelnen Tabs und Felder steht im Manual.
Immer zuerst fragen: Server oder Client?
Die wichtigste Lese-Regel des Tools: Woher kommt der Wert?
- Die IP-Adresse, der Port,
X-Forwarded-Forund alles im Tab Headers sind server-seitig. Sie sind exakt das, was jeder Webserver von dir bekommt. Willst du wissen, „was sehen Websites über mich, ohne zu fragen?“, schau hier. - Alles andere ist client-seitig und verlässt deinen Browser nicht — außer du exportierst es selbst. Diese Werte zeigen, was dein Gerät preisgeben könnte, wenn eine Seite sie per JavaScript aktiv ausliest.
Wer diese Trennung verinnerlicht, deutet die Seite richtig: Die GPU oder der Akkustand stehen nicht „im Netz“, solange niemand sie abfragt — die IP dagegen ist mit jeder Anfrage unterwegs. Eine Grauzone sind die Client Hints: Einen Teil davon kann ein Chromium-Browser auch als Sec-CH-UA-*-Header mitschicken — ob das bei dir so ist, siehst du im Tab Headers. Die exakten Werte wie Plattformversion oder Gerätemodell holt das Tool dagegen per JavaScript-Abfrage (getHighEntropyValues()), und der Browser darf sie verweigern.
Client Hints schlagen den User-Agent-String
Der User-Agent-String ist eingefroren und vereinfacht: Windows 11 meldet sich dort als „Windows NT 10.0“, macOS bleibt bei 10.15.7 stehen, und ein iPad im Desktop-Modus gibt sich als Mac aus. Das Feld Browser in At a glance zeigt dir, ob das Tool seine Zusammenfassung aus den Client Hints oder aus dem User-Agent gewonnen hat. Steht dort „User-Agent“ (typisch für Firefox und Safari), sind Angaben wie „10 or 11“ oder „10.15.7 or later“ keine Ungenauigkeit des Tools, sondern alles, was der Browser verrät. Willst du die genaue Version wissen, öffne die Seite einmal in einem Chromium-Browser auf demselben Gerät.
Protokoll: Browser oder Server?
Info Tools zeigt zwei Protokollwerte, die sich oft unterscheiden. Protocol (browser) kommt aus der Navigation-Timing-API und ist das, was dein Browser tatsächlich gesprochen hat — HTTP/2 oder HTTP/3 (QUIC). Server-side protocol (SERVER_PROTOCOL) ist das Protokoll zwischen dem Front-End-Server und PHP und steht häufig auf HTTP/1.1, obwohl deine Verbindung längst HTTP/2 nutzt. Für die Frage „Spricht mein Browser HTTP/3?“ zählt nur der erste Wert. Dasselbe gilt für den Endpunkt ?protocol: Er liefert den Server-Wert.
Leere Plugin- und MIME-Listen sind ein gutes Zeichen
Wundere dich nicht, wenn im Tab Navigator unter Plugins und MIME types nichts oder nur der eingebaute PDF-Viewer steht. Moderne Browser geben diese Listen aus Datenschutzgründen nicht mehr preis oder melden eine feste Standardliste, weil sie früher ein starkes Fingerprinting-Merkmal waren. Das bedeutet also nicht, dass etwas kaputt ist — es ist ein Indiz, dass dein Browser dich an dieser Stelle bereits schützt.
Den eigenen Fingerprint realistisch einschätzen
Die Tabs Navigator, Capabilities (GPU), Display, Media features und Locale & time ergeben zusammen ein Fingerprinting-Profil. Faustregeln:
- Ungewöhnliche Werte machen dich unterscheidbarer. Eine exotische Bildschirmauflösung, ein seltenes GPU-Modell, eine ungewöhnliche Spracheinstellung oder eine seltene Zeitzone heben dich aus der Masse heraus.
- GPU-Verschleierung ist gut. Steht unter GPU renderer ein generischer Name statt deines konkreten Chips, anonymisiert dein Browser bereits.
- Mehr Standard = weniger auffällig. Wer in der Menge der Default-Konfigurationen schwimmt, ist schwerer zu tracken als jemand mit vielen individuellen Einstellungen.
Konkrete Durchläufe dazu stehen in den Beispielen.
Global Privacy Control statt Do Not Track
Im Tab Permissions & storage stehen unter Browser settings zwei Datenschutz-Signale. Do Not Track führt das Tool ausdrücklich als veraltet (deprecated), und es ist unverbindlich — Server dürfen es ignorieren, und viele tun es. Global Privacy Control (Header Sec-GPC bzw. navigator.globalPrivacyControl) ist das neuere Signal; das Tool zeigt es bei aktivem Signal als „on — sites must not sell/share your data“. Beide sind Wünsche, keine technische Sperre: Echten Schutz bieten Browser-Einstellungen, Erweiterungen und das Vermeiden auffälliger Merkmale. Per Skript prüfst du die Signale mit ?gpc bzw. ?dnt.
X-Forwarded-For verrät deinen Proxy-Pfad
Wenn im Tab Connection unter X-Forwarded-For etwas anderes als „not set (direct connection)“ steht, hat ein Proxy oder CDN auf dem Weg zum Server diesen Header gesetzt. Er kann deine ursprüngliche IP enthalten — nützlich zum Debuggen, aber auch ein Hinweis darauf, dass eine vermeintlich anonyme Verbindung die echte Adresse weiterreicht. Prüfe das, wenn du dich auf Anonymität verlässt.
Hostname „no PTR record“ ist normal
Den Hostname ermittelt das Tool per Reverse DNS deiner IP, und zwar erst nach dem Laden der Seite. Nicht jede IP-Adresse hat einen PTR-Eintrag — fehlt er, steht „no PTR record“, und das ist kein Fehler des Tools. Der Lookup ist auf 20 Anfragen pro Minute begrenzt; wenn du die Seite in kurzer Folge oft neu lädst, erscheint „rate limited — try again later“. Kurz warten, dann klappt es wieder.
Ladezeiten kommen zuletzt — und gelten nur für diese Seite
Der Abschnitt Page load im Tab Connection misst erst nach dem vollständigen Laden der Seite und erscheint daher mit kurzer Verzögerung. Die Werte beziehen sich auf genau diesen Aufruf von Info Tools. Für Performance-Analysen einer fremden Seite ist das Tool also nicht gedacht — es zeigt, wie die Info-Seite selbst über deine Verbindung geladen hat. Stehen bei TCP connect oder TLS handshake 0 ms oder ein Strich („— (connection reused)“), hat dein Browser in der Regel eine bestehende Verbindung weiterbenutzt — dann gibt es für diese Phase schlicht nichts zu messen. Bei TLS handshake kann der Strich auch heißen, dass gar kein HTTPS im Spiel war.
Die Uhrabweichung ist eine Einzelmessung
Clock offset vs. server im Tab Locale & time beruht auf einer einzigen Anfrage. Die Angabe in Klammern ist die Unsicherheit — bei einer langsamen Verbindung kann sie mehrere hundert Millisekunden betragen. Abweichungen unter einer halben Sekunde meldet das Tool deshalb als „in sync“. Erst wenn dort Sekunden oder Minuten stehen, lohnt ein Blick auf die Zeitsynchronisation deines Systems.
Permissions abfragen löst keine Nachfrage aus
Der Abschnitt Permissions liest nur den aktuellen Zustand (granted / asks first / denied / not supported) — er fordert keine Berechtigung an. Du kannst ihn also gefahrlos ansehen, ohne dass dein Browser nach Kamera- oder Standortzugriff fragt. „Asks first“ ist der Normalfall und heißt lediglich: Beim echten Zugriff würde der Browser nachfragen.
Exportierte JSON-Dateien enthalten sensible Werte
Der Export as JSON ist umfassend — er bündelt auch deine IP, den Reverse-DNS-Hostname, alle Request-Header und detaillierte Geräte-Merkmale. Cookie- und Authorization-Werte lässt das Tool zwar weg, die Namen deiner Cookies stehen aber drin. Behandle die Datei entsprechend: nicht ungeprüft in öffentliche Tickets oder Foren hängen. Wenn du sie weitergibst, überlege, welche Felder du vorher entfernst — oder verschlüssele die Datei. Genau dafür eignet sich der Cryptor (AES-256).
Nichts wird gespeichert — Momentaufnahmen selbst sichern
Info Tools legt die angezeigten Werte bewusst nicht ab und liest bei jedem Aufruf frisch aus. Willst du einen Zustand festhalten (z. B. vor und nach einer Browser-Einstellung vergleichen), sichere ihn rechtzeitig mit Copy as JSON oder Export as JSON — sonst ist der vorherige Befund nach dem Neuladen weg. Display und Media Features aktualisieren sich zwar live, aber auch davon bleibt ohne Export nichts erhalten.
Kombination mit anderen JPKCom-Tools
- IP Tools — wenn du mit der IP aus dem Tab Connection weiterrechnen willst, etwa ihr Subnetz oder ihre Schreibweisen.
- DNS, SSL, Redirect & URL — um den Hostname aus dem Reverse-DNS gegen die DNS-Records einer Domain abzugleichen.
- Cryptor (AES-256) — um einen JSON-Export mit IP und Geräte-Merkmalen verschlüsselt abzulegen, bevor du ihn weitergibst.
Die vollständige Funktionsbeschreibung steht im Manual, konkrete Durchläufe in den Beispielen. Ausprobieren kannst du alles im Tool.